Ateliereinsichten (31. Woche)

30. Juli 2008

Auf einem dieser Stühle sitzen, die aktuelle Hitze (weit über 30 Grad und kein Regen in Sicht) aufnehmen, in den griechischen Yoghurt (mindestens 10 %) den Honig träufeln, dazu einen Espresso trinken und für einen  Moment, die Augen schliessen.


der Horizont kippt

26. Juli 2008

Die Temperaturen haben sich auf über 30 Grad eingependelt. Die angekündigte Abkühlung läßt, bis auf ein schon lange verschwundenes Grummeln, weiter auf sich warten. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Horizont in die Schieflage gerät. Passiert mir das nun bei einer fotografischen Arbeit, komme ich doch gewaltig ins Grübeln, ob ich die, in der Realität vorgefundene Horizontale der Kunst opfere und im Sinne der Komposition dem Betrachter überlasse, das Ganze wieder in seine ursprüngliche Form zu bringen.

Da es sich um eine Collage aus mehreren Aufnahmen handelt, ist dieses vertretbar. Das Grübeln hält sich nun schon einige Tage, wenn nicht gar Wochen. Nun, da die Temperaturen ein Kippen zulassen würden, ist der Horizont von mir begradigt worden. Die Arbeit gibt schon genügend Rätsel auf, so dass zumindest der Horizont ein wenig Halt geben darf.


der Künstler ist anwesend

24. Juli 2008

Da steht er, der Künstler, anwesend. Geredet hat der Oberstadtdirektor, der Galerieleiter und der Kunstkritiker.

Der Künstler hat den Moment, als die Sprache auf ihn kam, wieder einmal verpaßt oder in weiser Voraussicht verstreichen lassen. Keine fast einstündige Konzentration auf diesen einen Augenblick, bei dem die Blicke der Anwesenden kurz zu ihm geschweift wären: Aha, so sieht der aus.

Jetzt steht er wieder abseits. Umgeben von seinen Bildern und kann sie sich in Ruhe, nach der doch wie immer anstrengenden Aufbauphase und den unermüdlichen Diskussionen mit den Kuratoren um die richtige Hängung, betrachten, mit ihnen diese Ausstellung würdigen.

Der Rest des Publikums hat mit der ausgestellten Kunst nichts mehr am Hut.

Man hat sich eingefunden am Tresen, mit den obligatorischen Häppchen und Getränken. Alle, die gern gesehen werden wollen aber nicht werden, diejenigen die einfach Durst und Hunger haben und auch jene, die die besten Plätze schon vorab gebunkert haben, auf der ständigen Schau nach dem vermeintlich noch besseren Gesprächspartner.

Schade, denkt die Kunst, Chance vertan und der Künstler, der ist anwesend…


Ateliereinsichten (30. Woche 2008)

22. Juli 2008

Der Blick über eine Mauer hinweg direkt auf das offene Meer. Vor dieser Mauer sollte ein überdimensionierter Fähranleger für Kreuzfahrtschiffe entstehen. Doch das ist eine andere Geschichte….


Woistubb (Weinstube)

19. Juli 2008

Irgendwo in der Pfalz, den Berg hinunter, auf der Suche nach etwas Essbarem, im Ort angekommen. Der Blick geht durch ein offenes Tor, in einen scheinbar verwunschenen Hof. Kaum breit genug um die fünf runden Tische in der Länge aufzunehmen. Mit Wachstüchern bedeckt die Tische, umschlossen der Raum mit hohen Mauern und im ersten Hineinriechen, mit einem leicht muffigen Geruch, wie ihn alte Gewölbe ausströmen. Hinein in diesen Raum gesogen, waren wir nicht mehr in der realen Welt. Entrückt gab es Flammkuchen auf speckigen Holzbrettern, wunderbaren Wein aus klobigen Gläsern (ein Viertel in jedem Glas), gute Gespräche, bis es dunkel und kühl wurde, der Wirt zum Kassieren kam und nach uns das Tor bis zum nächsten Tag verschloss.

So müssen Tage zu Ende gehen, auch wenn das Bett bei seiner aufnehmenden Fahrt durch den Ozean, den Mitfahrer zwingt, zur Orientierung ab und zu noch einmal die Augen zu öffnen.

Zur Information, es handelt sich um den Innenhof der Weinstube „Zehntkeller“ in Leinsweiler.


solche Nachbarn wünsche ich mir nicht

17. Juli 2008

Da kommt mir bei der morgendlichen Lektüre der Zeitung der Tee heißer und klebriger vor, der Toast schmeckt auch beim zweiten Bissen fade.

Was passiert in dieser Welt. Sie wächst zusammen wird uns immer wieder gebetsmühlenartig vor Augen geführt. Ich glaube dieses immer weniger. Neben dem Mainstream passieren Dinge, die mir fürs erste das Frühstück verdorben haben, deren Bilder sich zu gegebener Zeit wieder in Bewegung setzen.

Da lese ich über einen Gefangenenaustausch nach einem Krieg der schon länger beendet ist. Auf der einen Seite werden zwei Kisten mit den Überresten von Menschen und der Gewissheit für die Angehörigen übergeben, dass sie ihre Angehörgen nur noch in der Erinnerung umarmen können. Auf der anderen Seite gibt es Feiern für die Heimkehr der Gefangenen, von denen einer einen Vater vor den Augen seines Kindes erschossen und das 4-jährige Kind dann erschlagen hat. Wie ist da untereinander Frieden möglich, wenn zudem dieses ganze schaurige Spektakel für die ganze Welt medienwirksam aufbereitet wird?

Solche Nachbarn wünsche ich mir nicht. Weder diejenigen, die diese Bilder als Inszenierung verbreiten, noch diejenigen, die solche Spektakel zu verantworten haben.


Ateliereinsichten (29. Woche 2008)

14. Juli 2008

An diese Stelle stelle ich für alle, die mein Atelier sonst aufgeräumt vorfinden bzw. den Weg nicht zu mir finden, einen Augenblick der jeweiligen Woche in den Blog, der zum Zeitpunkt des Schreibens schon keine Realität mehr ist.

Hier nun der Anfang…


Leider müssen wir Ihnen….

12. Juli 2008

„Vielen Dank für Ihre Bewerbung zum Ausstellungsprojekt. Die Jury hat am 02. Juli 2008 getagt….Leider konnte Ihr Beitrag nicht die Mehrheit der Jury gewinnen…..Wir danken herzlich für die Beteiligung!“   

Wenn ich mich richtig erkundigt habe, heißt das isländische Wort “saklaus“  “ohne Schuld“ oder auch „schuldlos“ . Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Der Stein befindet sich oben rechts auf der Kante dieser Arbeit.       

Wenn der Postbote klingelt und mir einen Umschlag, der die Größe der Einsendung zu dem Wettbewerb hat, in die Hand gibt, hat es fast keinen Sinn diesen Umschlag zu öffnen. Zusagen sehen anders aus!

In den Wald gehen, die Bäume anbrüllen und nach einer kurzen Phase des Denkens: warum tust du dir dieses eigentlich immer wieder an, ein neuer Aufbruch. Anders kann ich so einem Umschlag nicht begegnen. Sisyphos hat einen weiteren Mitstreiter gefunden.


Bist du von Beruf Künstler?

10. Juli 2008

Auf der anderen Strassenseite standen sie. 3 Jungen, alle um die 10 Jahre alt, mit ihren Fahrrädern. Die Frage flog über die Strasse: „bist du von Beruf Künstler?“. Sechs Augen waren auf mich gerichtet und ich, was sollte ich sagen? Die Wahrheit, dass man von seiner Kunst nicht wirklich leben kann. Ja, dass ich Künstler bin, aber es nicht der Beruf ist, mit dem ich jeden Tag etwas zu essen bekommen würde. Doch diskutieren wollten sie nicht. „Ja, so kann es sein“ hörte ich mich rufen. Damit war die Sache ok. Die Jungs strahlten. Einer mehr als die Anderen, denn er hatte sich getraut zu fragen.