der Horizont kippt
26. Juli 2008Die Temperaturen haben sich auf über 30 Grad eingependelt. Die angekündigte Abkühlung läßt, bis auf ein schon lange verschwundenes Grummeln, weiter auf sich warten. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Horizont in die Schieflage gerät. Passiert mir das nun bei einer fotografischen Arbeit, komme ich doch gewaltig ins Grübeln, ob ich die, in der Realität vorgefundene Horizontale der Kunst opfere und im Sinne der Komposition dem Betrachter überlasse, das Ganze wieder in seine ursprüngliche Form zu bringen.
Da es sich um eine Collage aus mehreren Aufnahmen handelt, ist dieses vertretbar. Das Grübeln hält sich nun schon einige Tage, wenn nicht gar Wochen. Nun, da die Temperaturen ein Kippen zulassen würden, ist der Horizont von mir begradigt worden. Die Arbeit gibt schon genügend Rätsel auf, so dass zumindest der Horizont ein wenig Halt geben darf.
der Künstler ist anwesend
24. Juli 2008Da steht er, der Künstler, anwesend. Geredet hat der Oberstadtdirektor, der Galerieleiter und der Kunstkritiker.
Der Künstler hat den Moment, als die Sprache auf ihn kam, wieder einmal verpaßt oder in weiser Voraussicht verstreichen lassen. Keine fast einstündige Konzentration auf diesen einen Augenblick, bei dem die Blicke der Anwesenden kurz zu ihm geschweift wären: Aha, so sieht der aus.
Jetzt steht er wieder abseits. Umgeben von seinen Bildern und kann sie sich in Ruhe, nach der doch wie immer anstrengenden Aufbauphase und den unermüdlichen Diskussionen mit den Kuratoren um die richtige Hängung, betrachten, mit ihnen diese Ausstellung würdigen.
Der Rest des Publikums hat mit der ausgestellten Kunst nichts mehr am Hut.
Man hat sich eingefunden am Tresen, mit den obligatorischen Häppchen und Getränken. Alle, die gern gesehen werden wollen aber nicht werden, diejenigen die einfach Durst und Hunger haben und auch jene, die die besten Plätze schon vorab gebunkert haben, auf der ständigen Schau nach dem vermeintlich noch besseren Gesprächspartner.
Schade, denkt die Kunst, Chance vertan und der Künstler, der ist anwesend…
Ateliereinsichten (30. Woche 2008)
22. Juli 2008Ateliereinsichten (29. Woche 2008)
14. Juli 2008Leider müssen wir Ihnen….
12. Juli 2008
„Vielen Dank für Ihre Bewerbung zum Ausstellungsprojekt. Die Jury hat am 02. Juli 2008 getagt….Leider konnte Ihr Beitrag nicht die Mehrheit der Jury gewinnen…..Wir danken herzlich für die Beteiligung!“
Wenn ich mich richtig erkundigt habe, heißt das isländische Wort “saklaus“ “ohne Schuld“ oder auch „schuldlos“ . Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Der Stein befindet sich oben rechts auf der Kante dieser Arbeit.
Wenn der Postbote klingelt und mir einen Umschlag, der die Größe der Einsendung zu dem Wettbewerb hat, in die Hand gibt, hat es fast keinen Sinn diesen Umschlag zu öffnen. Zusagen sehen anders aus!
In den Wald gehen, die Bäume anbrüllen und nach einer kurzen Phase des Denkens: warum tust du dir dieses eigentlich immer wieder an, ein neuer Aufbruch. Anders kann ich so einem Umschlag nicht begegnen. Sisyphos hat einen weiteren Mitstreiter gefunden.
Bist du von Beruf Künstler?
10. Juli 2008Auf der anderen Strassenseite standen sie. 3 Jungen, alle um die 10 Jahre alt, mit ihren Fahrrädern. Die Frage flog über die Strasse: „bist du von Beruf Künstler?“. Sechs Augen waren auf mich gerichtet und ich, was sollte ich sagen? Die Wahrheit, dass man von seiner Kunst nicht wirklich leben kann. Ja, dass ich Künstler bin, aber es nicht der Beruf ist, mit dem ich jeden Tag etwas zu essen bekommen würde. Doch diskutieren wollten sie nicht. „Ja, so kann es sein“ hörte ich mich rufen. Damit war die Sache ok. Die Jungs strahlten. Einer mehr als die Anderen, denn er hatte sich getraut zu fragen.

Verfasst von veitraum
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