Abbautag
27. Februar 2009Fast pünktlich stürme ich die Treppe in der Stadtbibliothek hinauf. Draußen hat sich nach dem ersten Andeuten des Frühling ein leichtes Nieseln eingestellt. Doch für nächste Woche hat sich T-Shirt-Wetter angekündigt. 15 Grad sollen es werden und irgendwie ist das noch nicht wirklich zu glauben und auch nicht wirklich der Grund, warum ich mit Luftpolsterfolie bepackt diesen Weg begehe.
Die Ausstellung „Ideal und Menschlichkeit – 60 Jahre Menschenrechte“ wird abgebaut.
Im Ausstellungsraum hat das große Wuseln bereits eingesetzt. Die Ersten haben ihre Arbeiten bereits von den Wänden geholt, knieen auf dem Boden, kämpfen damit alles sicher zu verpacken, um es dem entsprechenden Lager zu übergeben.
Die Zeit erlaubt nur ein kurzes Hallo, hier und da ein knappes Gespräch und nach kurzer Zeit zeigt sich der Raum verwandelt, karg und schmucklos. Ein Besucher jagt mir noch ein kurzes, ihr habt es aber nicht lange ausgehalten, entgegen und bevor ich etwas entgegnen kann, die Bestätigung, dass nun doch etwas fehlt. Der eigene Kampf mit der Folie, mit den Klebestreifen, das Wuchten ins Auto und schon bin auch ich wieder selbst auf der Autobahn und diese Ausstellung Geschichte.
Blick hinein – 9. Woche
23. Februar 2009ein Stuhl ist ein Stuhl
20. Februar 2009Diese Arbeit, die aus den Tiefen meines Gedächtnisses durch die Bemerkung eines Freundes, für den ich zur Zeit eine Installation plane, wieder ins Bewußtsein getrieben wird, stammt von 1996.
Eine Ewigkeit her, für mich nicht mehr erkennbar, der ich in der Gegenwart verhaftet von den aktuellen Dingen umgeben bin. Und dann durch diese kleine Bemerkung, innehalten, reflektieren und lächelnd weiterarbeiten.
Ja, es sind wiederkehrende Motive, die Gedanken und Arbeitsideen kreuzen und in den verschiedensten Konstellationen ihre Position finden.
Blick hinein – 8. Woche
18. Februar 2009Wunderlampengleich sind die Vergrößerungen für diese Arbeit unbeschadet in meinen Raum getreten. So wie unter den Händen der traditionellen marokkanischen Handwerker, in den schmalen Gassen und noch kleineren Werkstätten der Altstädte, durch deren handwerkliche Fähigkeiten die typischen Produkte entstehen, entwickeln sich meine grundierten Bildträger dem noch nicht endgültig festgelegten Ergebnis entgegen.
noch ein Interview
13. Februar 2009Zu diesem Gesprächstermin haben wir uns in seiner Werkstatt verabredet. Bei meinem Eintreffen, werde ich bereits erwartet. Er geht voran die Stufen hinauf, den Flur entlang bis ans Ende. Öffnet die Werkstatttür und lässt mich eintreten.
Auf dem Boden breiten sich Leinwände aus, die mit Vergrößerungen von Fotografien bedeckt sind. Die Vergößerungen sind teilweise zerschnitten. An einer Wandseite lehnen Leinwände und Sperrholzplatten, die mir ihre Rückseite zeigen und meine Neugier wecken. Doch der Grund meines Besuchs sind diesmal die in den Ecken zusammengerollten, transparenten Papiere. Diese Rollen enthalten die Entwürfe über die wir sprechen wollen. Flach auf einem Werkstatttisch liegen, um den Schneideplatz für die Vergrößerungen platziert, die Entwürfe für die auf dem Boden liegenden, im Entstehen befindlichen Arbeiten. Er beugt sich über den Tisch, schiebt mir vorher den einzigen Hocker des Raumes entgegen und beginnt, ohne meine erste Frage abzuwarten, zu sprechen.
Gespannt bin ich, ob mein Entwurf für dieses Interview, zumindestens ansatzweise erhalten bleibt.
Wie du siehst arbeite ich gerade an Bildern, über die wir bei unserem letzten Gespräch vor einem Jahr (siehe Artikel „ein Interview“) geredet haben. Die Bilder zeigen Treppenhäuser vom Block 1 auf dem PRORA-Gelände. Da es sich bei den Arbeiten um keine Dokumentation handelt, nutze ich die mir gegebene künstlerische Freiheit und füge zum Beispiel weitere Stockwerke ein, die es in der Realität nicht gibt. Das Einfügen geschieht auf eine Weise, die es nur dem ortskundigen Betrachter gestattet dieses auf Anhieb zu erkennen. Ich übertrage die vor dir liegenden Entwürfe, die eine erste grobe Ausarbeitung der umzusetzenden Idee darstellen, hier mit den endgültigen Vergrößerungen auf die Leinwände.
Entschuldige, dass ich dich unterbreche. Die Entwürfe entsprechen ja noch nicht der entgültigen Größe der geplanten Arbeit. Wie sehen die nächsten Schritte aus?
Wie du siehst, haben die Vergrößerungen der Entwürfe ein Standardmaß, das du dir an jeder beliebigen Ecke anfertigen lassen kannst. Diese Vergrößerungen benutze ich zur Auswahl der verwendeten Fotografien für die endgültige Arbeit. Gleichzeitig lege ich mit Ihnen die Positionen untereinander fest und fixiere diese auf Transparentpapier. Damit sind erst einmal die Seitenverhältnisse festgelegt. Habe ich mich dann entschieden welche Größe die endgültige Arbeit erhalten soll, kann ich relativ einfach die benötigte Vergrößerung für die Fotografien errechnen. Diese Vergrößerungen lasse ich dann von einem Fachlabor erledigen.
Heißt das, dass ein einmal fixierter Entwurf auch dem Aussehen der fertigen Arbeit entspricht?
Was die Positionierung der einzelnen Vergrößerungen untereinander betrifft ist das bis auf kleine Korrekturen und wenige Ausnahmen richtig. Die Arbeit ist aber mit dem Aufbringen der Vergrößerungen auf den Bildträger keinesfalls erledigt. Jetzt setzt die weitere Bearbeitung ein, die notwendig ist um die von mir gewünschte, endgültige Bildwirkung zu erzielen. Als ich begonnen habe das Gesehene mit Hilfe fotografischer Mittel zu fragmentieren und auf dem Bildträger neu zusammen zu setzen, habe ich noch so gearbeitet, dass keine weitere Bearbeitung stattgefunden hat. Die Zusammenstellung der Fotos bildete eine Art Bildwolke, die keine Verbindung über deren eigenen Rand hinaus zum Rand des Bildträgers, zum umgebenden Raum hatte. Diese Position hat sich dann im Laufe der Zeit verändert.
Du erwähntest vorhin, dass diese Entwürfe die erste grobe Ausarbeitung des endgültigen Werkes darstellt. Werden die weiteren Arbeitschritte in weiteren Entwürfen vorbereitet?
Weitergehende Entwürfe von dieser Qualität entstehen meist nicht mehr. In dem Moment, in dem ich die Vergrößerungen auf dem Bildträger fixiere entstehen die nächsten Schritte im Kopf, die ich nur grob als Text oder Skizze aufschreibe. Dieses Schreiben und Skizzieren dient lediglich dazu den Gedanken aus dem Kopf zu bekommen um konzentriert weiterarbeiten zu können. Diese Papiere verschwinden meist wieder nachdem der Gedanke umgesetzt ist.
Könntest du dir vorstellen, wenn du von einer gewissen Qualität der Entwürfe sprichst, dass diese als eigenständige Arbeiten bestehen können?
Als eigenständige Arbeiten sehe ich sie im Moment noch nicht, doch kann ich mir vorstellen diese Entwürfe einmal im Kontext mit fertigen Arbeiten zu zeigen. Zumal sie den Gesamtumfang der möglichen Arbeiten darstellen, die selten alle realisiert werden.
Blick hinein – 7. Woche
12. Februar 2009Rotrosige Lichtspuren
5. Februar 2009An einem Band, das an einem Nagel an der Decke befestigt ist, dreht sich langsam der Strauß getrockneter Rosen, im Licht der Taschenlampe. Die Drehung verwischt die Schärfe der Lichtspuren auf dem Negativmaterial, wie die vergangene Zeit, die Erinnerung an diese Aufnahmen verwischt hat, bis sie aus dem Wust der abgelegten Fotografien zum genau richtigen Zeitpunkt wieder in der Gegenwart erscheinen, um sich als Idee und Puzzleteil in eine neue Arbeit einzubringen.

Verfasst von veitraum
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