Blick hinein – 14. Woche

30. März 2009

14te-woche

Besuch hat sich angesagt. 

Die Stolperfallen werden beseitigt, über die ich die letzten Tage gekonnt gestiegen bin. Nun hoffe ich, dass bis zum Eintreffen nicht neue gelegt sind (was eigentlich zu erwarten ist).


Dauerstuhl

29. März 2009

Die ersten bewußten Gedanken, die sich um Stühle ohne Sitzflächen drehen, die irgendwie Einzug in das Arbeiten halten, sind auf Fotos in einem Katalog aus dem Jahr 2002 festgehalten.

Dort sitze ich gestikulierend hinter einem Tisch, vor mir die üblichen Getränke und ein Aufnahmegerät, zur Aufzeichnung des Ateliergesprächs, damit das Gespräch in Ausschnitten in dem Katalog abgedruckt werden kann. In den Händen halte ich das Modell eines Raumes, der mich seit dieser Zeit immer wieder beschäftigt und in den verschiedenen Varianten der Umsetzung harrt. Dort sind also die ersten neun Stühle zu sehen, die schwerlich besetzt werden können, da ihnen die Sitzflächen abhanden gekommen sind.

Und nun taucht nach diesen Jahren des Gedankendrehens der erste reale Stuhl im Atelier auf. Eine surreale Szene entsteht…. 

drehstuhl


rechter Winkel

27. März 2009

rahmenbau

Die eigenen Ansprüche an die einfachen Rahmen für die Arbeiten, die aus den Entwürfen für die PRORA-Arbeiten entstanden sind, erfordern einigen konstruktiven Aufwand, zumal diese Rahmen Teil der Arbeiten sein werden.


Blick hinein – 13. Woche

24. März 2009

das-fraulein

Ein paar Tage nach dem Frühlingsanfang schlägt der Graupel vom Wind getrieben an das Fenster.

Irgendwann diese Tage tauchte dann die Figur auf und ich spüre seither ihre Blicke in meinem Rücken. Sie wird mich hier noch einige Zeit begleiten und bis zum Herbst eine entscheidende Rolle in meinen Arbeiten spielen.


Nachhall Dialoge 09

20. März 2009

Bis auf das Lichtband im Boden bleibt der Sternensaal unbeleuchtet. Das Lichtband läuft an den Rundungen der Wand entlang und leuchtet durch ein Sternengitter, so dass die Holzvertäfelung darüber matt beleuchtet wird. Licht fällt auch durch die offene Tür, die  zum westlichen Kunstkammersaal führt, in dem die weißgewandete Junko Wada ihren einsamen, meditativen Tanz vollführt.

Im Raum auf dem Boden sitzend, hält mich der Tanz von Nicola Mascia und Takako Suzuki gefangen. Dicht, zum Greifen nahe die Bewegungen der Tänzer verfolgend, die sich im Raum verorten. Das Atmen, die Schritte hören. Im richtigen Moment dem Tanzweg ausweichen. Auf diese Weise eins werden zu einem Gesamtbild, das sich einprägt.

Das gesamte Haus erfüllt von Menschen, von Bewegung, von spürbarer Magie durch die Jahrhunderte, die die erwarteten Exponate des Ägyptischen Museums mit dem noch leeren, renovierten Haus des Neuen Museums in Berlin und mit den Menschen in den Räumen verbindet.

Sasha Waltz hat es wieder geschafft, mich mit ihren Gästen und ihrer neuen Produktion DIALOGE 09 auf dem ehemaligen Transitweg nach Berlin zu locken, zu begeistern, mit kreativer Energie aufzuladen und mich dann auf den sternenklaren Rückweg in den Frühlingsanfang zu entlassen.

Ein andauernder Nachhall ist zu erwarten, der mir in den hoffentlich unerwartesten Momenten Inspirationsspitzen verpassen wird.


Blick hinein – 12. Woche

17. März 2009

treppenhauser

Der Gebäudekomplex PRORA auf Rügen beschäftigt mich bereits einige Jahre. Über diese haben die Entwürfe, die nach dem Fotografieren auf dem Gelände und in den Gebäuden entstanden sind, als Grundlage für viele Arbeiten herhalten müssen.

Die Entwürfe für Arbeiten, die in Zusammenhang mit den Treppenhäusern standen, sind nun selbst zu eigenständigen Arbeiten geworden. Der Kreis hat sich geschlossen und ein erster Abschluß in Bezug auf die Treppenhäuser gefunden.

Zeit für den Stapellauf, die Korken können knallen.


Ne schöne Jrooß

13. März 2009

Das wievielte Mal stehe ich inmitten dieser Menschen, die voller Vorfreude ausgerichtet auf die Bühne schauen? Gleich erscheint sie, die Kapelle aus Köln, die mich seit annähernd 30 Jahren durchs Leben begleitet. So wie viele um mich herum ist der Auftritt von BAP mit dem kölschen Barden Wolfgang Niedecken ein Muss. Auch wenn die Jahre an uns allen nicht spurlos vorbei gegangen sind und auch der eine oder andere nicht mehr dabei ist, haben sich die Zeiten seit Verdamp lang her thematisch nicht verändert, die tägliche Kristallnaach allgegenwärtig.

Und dann geht es los, rockiger, härter als die letzten Male. Ne schöne Jrooß ahn all die, die unfählbar sinn, aus vielen Kehlen, mehr gegrölt als gesungen, kommt immer noch gut. Die neuen Stücke der Radio Pandora Plaat, bilden den Rahmen für einen wunderschönen Abend, der von aussen betrachtet vielleicht nostalgisch verklärt wirkt, der mich, ausgespuckt aus der Halle, aber lächelnd und gewappnet in den Alltag entläßt.

Was fehlte an diesem Abend ist der Zigarettenqualm, der sich sonst wie ein dichter Nebel über die Köpfe legte und die Illumination unterstützte. Doch eigentlich bin ich recht froh, dass das schrumpfende, ausgegrenzte Völkchen der Raucher sich mittlerweile spaßend vor den Eingängen trifft.


Blick hinein – 11. Woche

12. März 2009

Manchmal gerate ich beim Arbeiten ins Träumen.

farbmischung-prora


Brave new world

12. März 2009

Die Bilder bedrücken und gleichen sich immer wieder. Fassungslose, weinende und verzweifelte Menschen inmitten von Chaos aus zerstörtem Leben, Absperrungen, um Ordnung bemüter Hilfskräfte und Pressevertretern, die sich  zum Teil um eine sachliche Berichterstattung bemühen (was in solchen Momenten leider nicht immer der Fall ist).

Immer wieder kommt es vor, dass zumeist junge Menschen sich über das Leben erheben. Nicht allzu lange ist es her, dass sich solche Bilder weit entfernt abgespielt haben. In einer Welt, von der gerne die Errungenschaften übernommen werden, die die persönliche Freiheit vermeintlich erweitern und den Konsum anregen.

Und dann lese ich es beim Aufschlagen des Lokalteils unserer Tageszeitung. Selbst hier in der Stadt gibt es auf rund 125000 Einwohner ca. 10000 registrierte Waffen. Nicht auszudenken wie viele nicht registrierte Waffen dazu kommen und wie viele desillionisierte Menschen im falschen Moment darauf Zugriff haben könnten. Noch einen Blick weiter lese ich von einem Mann, der am gestrigen Abend hier in der Stadt gedroht hat, sich zu erschießen und dabei mit seiner Waffe durch seinen Stadtteil gelaufen ist.

Brave new world.

Hier hat sich eine weit größere Gefahr für die Sicherheit heraus gebildet, als die, die vermeintlich von aussen an uns heran getragen wird und sich unter dem Angst-Sammelbegriff Al Kaida formiert.

Zu all dem ist es passiert, dass der Sohn einer meiner Freunde seit einer Woche im künstlichen Koma liegt, weil sein Herz sich für einen Augenblick verweigert hat.


Blick hinein – 10. Woche

6. März 2009

10te-woche

Der Geruch der Farbe liegt intensiv auf dem Raum. Ich würde mich gerne nach der Arbeit etwas auf meinem Hocker zurücklehnen, doch dazu taugt ein Hocker leider weniger.

Wage die  Schritte bis zur Tür und lehne mich an sie. Aus der leichten Untersicht betrachte ich den Raum, schließe die Augen, lasse Geruch, Musik und Gedanken auf mich wirken.