Blick hinein – 26. Woche

29. Juni 2009

27te Woche I

Die Frage an eine israelische Schriftstellerin, warum sie nicht in ein Land zieht, in dem sie nicht in ständiger Angst leben muss, da sie selbst in Israel aufgrund ihrer Herkunft zu einer Minderheit gehört, wurde von ihr auf die einfache Formel gebracht: weil hier meine Heimat ist -meine Sprache-mein Ort-mein Haus-.

27te Woche II


Neda

26. Juni 2009

Als ich am Dienstag, es war der 23. Juni, vor meiner Hotelzimmertür die FAZ fand, ahnte ich nichts von dem Artikel, der mich heute zu dem Video führte, mit einem Handy aufgenommen, dass das Sterben einer jungen Studentin in den Straßen von Teheran dokumentierte, die ermordet wurde, von einem Religionswächter am Rande einer Demonstration.

Bei Demonstrationen in Los Angeles sind nun Plakate mit der Aufschrift „I AM NEDA“ zu sehen. Unfreiwillig, brutal aus dem Leben gerissen, wird eine junge Frau zu einer Ikone des Widerstandes, die von ihrem Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat, nach einer Wahl, die den Eindruck der Manipulation schon im Vorfeld bestätigt hat, in einem Staat in dem immer noch religiöser Fanatismus, die nach Offenheit strebenden Menschen am Leben hindert.

Nun fallen auf den Teheraner Freitagsgebeten die Worte: “ich rufe die Justiz zu einer deutlichen Konfrontation mit den Anführern dieser illegalen Demonstrationen auf und verlange die Todesstrafe für sie ohne jede Gnade“, die nicht darauf hindeuten, dass im Iran ein Einlenken und eine friedliche Ruhe, die nicht auf Unterdrückung gestützt ist, zu erwarten ist.


Grubengeschichte II

25. Juni 2009

Auf der Suche nach der genauen Bemaßung der Grube, lese ich in der Zeitung über einen musikalischen Abend, der sich in eben diesem trockenen Erdloch ereignet hat, nicht in der klassischen Strandromantik um das Lagerfeuer verteilt, bei der die Musiker inmitten des, das Feuer umflutenden Kreises sitzen. Nein, es entsprach eher der klassischen Aufführungspraxis, in der die Musiker, auf eine Decke gestellt, sich gegenüber einem bestuhlten Publikum sehen, wenn sie sich sehen könnten, so wie es dem Fotografen gelang.

Ach und wer es nicht glaubt, dieses Loch existiert wirklich. Zu finden ist es exakt auf dem östlichen Längengrad mit der Bezeichung 10°46′56,50“.


Grubengeschichte I

20. Juni 2009

Wann mir die Grube zum ersten Mal bewußt wurde, kann ich nicht sagen. Irgendwie war sie schon immer da. Gefüllt mit kühlem, klaren Wasser. Menschen am Rand rufen den Schwimmern Anfeuerungen zu, rufen die Kinder aus dem Wasser, die wie immer nicht hinaus wollen.

Gegenwärtig wird mir der Onkel, der eigentlich der Bruder der Großmutter war, also mein Großonkel. Der aber immer der Onkel blieb, der sich im hohen Alter noch von dem Turm stürzte. Der jetzt nicht mehr da ist, der Onkel, doch der Turm, der steht noch. Dafür ist das Wasser weg und wenn ich mich jetzt von dem Turm stürzen würde, wäre ich wahrscheinlich auch nicht mehr da.

Nun füllt sich diese Grube wieder mit einem Seestück. Langsam wird es Realität, höre fast schon das Rauschen der Brandung, die sich auf den Strand stürzt. Draußen klatscht der Regen an die hohen Fenster und zeigt sich die Sonne, zaubert sie seltsame, nie gesehene Schatten in die Wellen. In der Nacht, da gleitet das Licht des Turms über das Rauschen. Die Schatten wechseln die Seite auf den gefrorenen Wellen und wünschen sich ein Staunen herbei.


Blick hinein – 25. Woche

17. Juni 2009

25te Woche


Meeresplausch

12. Juni 2009

Das Rauschen des Meeres läßt einen Plausch in den seltensten Fällen zu und sollten sich die semannsgarnerzählenden Bärtigen doch einmal an den Rand des Gewässers wagen, schläft langsam der Wind ein und wir können dem Erzählen staunend auf das Meer hinaus folgen.

grup


Fingerzeig

11. Juni 2009

Fingerzeig

Auf der Suche nach der richtigen Position durchbricht die Hand die Erdkruste, in Erwartung der Dinge, die da kommen mögen.


Blick hinein – 24. Woche

11. Juni 2009

 Ort


Blick auf das Sommerloch

10. Juni 2009

Die Vorurlaubszeit bestimmt meinen Terminkalender. Am Rande des Sommerlochs drängen sich Wettbewerbsabgabetermine, Ausstellungseröffnungen und Feierlichkeiten jeglicher Art.

Mit jedem Schritt nach draussen wechselt die Beschallung. Die Geschwindigkeit des Flanierens wird durch den eigenen Geschmack und die möglichen Gesprächspartner bestimmt, die sich den einzelnen Veranstaltungen zugehörig fühlen und irgendwie fühle ich mich bald wie ein bunter Hund, denn irgendjemand kennt mich doch irgendwoher. Die Großstadt wird zum Dorf und die Fluchtmöglichkeiten mit der Lebenszeit geringer. Das wird sich erst später wieder ändern, wenn das dem Alter geschuldete Verschwinden einsetzt.  

Wieder drinnen werden die Wettbewerbsunterlagen, die die letzten Tage den Laptop gefüllt haben, zu Materie und eingetütet, mit guten Wünschen versehen auf die Reise geschickt. Die ersten Aktivitäten deuten bereits auf das nächste Jahr und auch für den Rest dieses Jahres deutet nichts darauf hin, dass sich quälende Langeweile zu einer gesunden Langeweile gesellen wird und sich diese gebetsmühlenartig beschworene, angeblich beängstigende Sommerlochsleere einstellen kann.


Blick hinein – 23. Woche

1. Juni 2009

 Der Stuhl hat auf die Hand gewartet. Es beginnt die Phase des Ausprobierens.

In welcher Zusammenstellung kommt das ungleiche Paar meiner Idee am nächsten? 

Der Betrachter ist erst einmal aussen vor. Bewußt ist mir dabei, dass die Arbeit durch ihn wirkungslos ist, durch ihn erst beendet und dann durch jeden wieder neu bedacht wird. 

23te Woche